Wird jetzt alles Open Source? Was KI-Rückbau für Ihre Software bedeutet
KI-Werkzeuge wie REA zerlegen Software in Minuten. Was das für die Sicherheit heißt, warum „nur Browser-Apps sind sicher“ falsch ist und was wir bei ABYNTIS selbst geprüft und verbessert haben.
Alte Konsolenspiele laufen plötzlich als ganz normale PC-Programme. Ein Entwickler baut mit KI freie Gegenstücke zu Photoshop, Premiere und Lightroom. Und ein Open-Source-Werkzeug namens REA („Reverse Engineer Anything“) verbindet KI-Agenten direkt mit Profi-Werkzeugen zum Zerlegen von Software. Viele fragen sich gerade: Wird jetzt alles Open Source? Und was heißt das für die Sicherheit der eigenen Software?
Wir haben uns das nicht nur angesehen, sondern ABYNTIS selbst daraufhin geprüft.
Was gerade passiert
- REA ist ein Open-Source-Projekt (MIT-Lizenz, github.com/morluto/rea). Es gibt Agenten wie Claude Code, Codex oder Cursor Zugriff auf Decompiler wie Ghidra, IDA oder Hopper. Laut Projektbeschreibung kann es native Programme, Android-Apps, Webseiten und Electron-Desktop-Apps untersuchen. Für JavaScript braucht es nicht einmal einen Decompiler.
- Freie Nachbauten großer Programme: Das Projekt ArtCraft hat mit KI-Hilfe Gegenstücke zu Photoshop, Premiere und Lightroom veröffentlicht. Die Programme sind ausdrücklich in einem frühen Stadium. Ob es ein sauberer Nachbau ohne Blick auf fremden Code ist, ist umstritten. ArtCraft ist ein eigenes Projekt und hat mit REA nichts zu tun, auch wenn beides oft in einem Atemzug genannt wird.
- Retro-Spiele: Der Nachbau alter Spiele als PC-Programm ist mit KI so einfach geworden, dass eine bekannte Plattform der Szene geschlossen hat. Sie konnte von Hand gebaute Projekte nicht mehr von KI-Projekten unterscheiden.
Die Projekte ziehen selbst eine klare Grenze: REA nennt Sicherheitsforschung, Schadsoftware-Analyse, Kompatibilität und Erhalt alter Software als Zweck. Das Umgehen von Kopierschutz und das Kopieren fremder Programme gehören ausdrücklich nicht dazu.
Was nicht stimmt: „Nur Browser-Apps sind noch sicher“
Diesen Satz hört man gerade oft, aber er dreht die Sache um. Eine Web-App schickt ihren ganzen Bedienungs-Code an jeden Browser. Dieser Teil ließ sich schon immer am leichtesten lesen.
Sicher ist nicht, was im Browser läuft, sondern was gar nicht ausgeliefert wird: Prüfungen, Berechtigungen, Schlüssel und die eigentliche Logik auf dem Server. Wer den Code einer App nachbaut, hat damit noch lange nicht die Daten, die Zugänge und den Betrieb dahinter.
Neu ist nur der Preis. Reverse Engineering kostete früher Wochen und viel Fachwissen. Jetzt kostet es fast nichts. Schutz, der nur darauf beruht, dass „das ja keiner sieht“, ist damit endgültig vorbei.
Unsere eigene Prüfung
ABYNTIS hat beide Seiten: ein Web-OS im Browser und eine Desktop-App (Electron), die Ihren PC mit Ihrem Konto koppelt. Genau so eine App liest REA direkt. Am 27. Oktober haben wir deshalb nachgesehen:
- Liegen Schlüssel in der Desktop-App? Nein. In der App und im PC-Agenten haben wir keine Zugangsschlüssel zu fremden Diensten gefunden. Alle Schlüssel liegen auf dem Server.
- Kann sich ein nachgebauter Agent als Ihr PC ausgeben? Nicht ohne den Schlüssel, den Ihr PC beim Koppeln bekommt. Er ist zufällig erzeugt, wird nicht in Protokollen gespeichert und so geprüft, dass auch die Antwortzeit nichts verrät. Jedes Gerät gehört genau einem Konto, und ein neu gekoppelter PC darf anfangs nur Systeminformationen melden.
- Was ein PC zurückmeldet, übernimmt der Server nur Feld für Feld, gekürzt und geprüft.
Zwei Stellen haben wir verbessert, beide noch am selben Abend:
- Kopplung: Der Schutz gegen das Durchprobieren von Kopplungs-Codes ließ sich unter bestimmten Umständen umgehen. Er ist jetzt dicht und hat zusätzlich eine Obergrenze über alle Absender. Längere Kopplungs-Codes folgen mit der nächsten App-Version.
- Manipulations-Schutz der KI: Liest ABYNTIS fremden Text, etwa Suchtreffer, eine Webseite auf Ihrem Bildschirm oder eine Datei vom PC, führt es in derselben Antwort keine heiklen Aktionen mehr aus. Dazu gehören Dateien verschicken, Befehle auf Servern oder das Abschalten von Schutzfunktionen. Bisher galt das nicht für alle Quellen und nicht am Telefon. Jetzt gilt es überall. Sie bestätigen kurz mit „ja“, dann geht es weiter.
Beide Lücken haben wir selbst gefunden. Ein Ausnutzen ist uns nicht bekannt. Wie genau sie funktioniert hätten, schreiben wir bewusst nicht auf.
Was das für Ihren Betrieb heißt
- Gehen Sie davon aus, dass jeder Ihren App-Code lesen kann. Das gilt für Apps auf dem Handy, Desktop-Programme und Webseiten.
- Keine Schlüssel und Passwörter in Programmen, die beim Kunden laufen. Sie gehören auf den Server.
- Jede Prüfung auf dem Server, nie nur in der Oberfläche. Ein ausgegrauter Knopf schützt nichts.
- KI-Assistenten brauchen eine Herkunfts-Regel: Was aus dem Web, aus Mails oder von Bildschirmen kommt, ist Information und kein Auftrag.
- Überwachen statt hoffen: Protokolle, Warnungen und jemand, der hinsieht.
Wird jetzt alles Open Source? Vielleicht nicht alles. Aber die Vorstellung, dass Code geheim bleibt, sollte niemand mehr zur Grundlage seiner Sicherheit machen. Wir prüfen ABYNTIS weiter, und wenn wir etwas finden, schreiben wir es auf.
ABYNTIS ist ein KI-Mitarbeiter für kleine Betriebe — Chat, Telefon, Dateien, Kalender und Ihr PC in einem System, gehostet in der EU.
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